Giftige Substanzen im Aquarium
Sowohl beim Ammonium/Ammoniak, als auch bei Salpetriger Säure/Nitrit
entscheiden der pH-Wert und die Temperatur des Wassers maßgeblich, in welche
Richtung sich beide Dissoziationsgleichgewichte verschieben.
Bei Ammonium/Ammoniak ist Ammoniak die giftige Komponente. Welche Konzentration
davon ertragen wird, hängt sehr stark vom O2- und CO2-Haushalt im AQ ab. Ein
Mangel an O2 und/oder CO2 verstärkt die Giftwirkung von NH3 im Wasser
erheblich. Knackpunkt ist dabei
die Ausscheidung von NH3 via Diffusion an den Kiemen und hier speziell das
Konzentrationsgefälle NH3 im Wasser/NH3 im Blut.
Atmet der Fisch schön langsam (bei genug O2 im Wasser), wird das Wasser im
Kiemenbereich durch das ebenfalls ausgeschiedene CO2
ordentlich angesäuert. Der pH-Wert sinkt somit hier und verschiebt das
Dissoziationsgleichgewicht NH3/NH4+ in Richtung NH4+.
NH3-Molekül kommt nichtsahnend aus dem Kiemengewebe diffundiert, kriegt ein
H(+)-Ion an die Backe genagelt, heißt nu Ammonium und
Schluss ist mit giftig. Den NH3-Gehalt den man im Wasser misst, kann man sich
als solchen getrost vor´s Knie nageln. Die Giftigkeit steht
und fällt mit allen Faktoren, die:
- die NH3-Freisetzung im Fisch und damit die Ausscheidung an den
Kiemen verstärken. (Futterzusammensetzung, physische Anstrengung,
schlechte O2-Versorgung)
- durch Unterversorgung mit O2 eine höhere Atemfrequenz verursachen
und so die Ansäuerung des "Kiemen"-Wassers durch CO2
vermindern.
Somit können Fische bei 0,01 mg NH3/l jämmerlich verrecken, wenn man sie mit
proteinhaltigem Futter bombardiert, der O2-Gehalt in den Seilen hängt und kaum
CO2 im Wasser ist. Auf der anderen Seite machen Fische auch bei 0,1 mg/l NH3
noch keinen Mux, wenn O2- und CO2-Gehalt gleichzeitig im grünen Bereich sind.
Beim Nitrit ist es auch wieder ein Dissoziationsgleichgewicht. Hier sind aber
beide Formen, das Nitrit _und_ die salpetrige Säure giftig.
Das Gleichgewicht hängt auch hier an pH-Wert und Temperatur. Niedriger pH
und/oder niedrige Temp. verschieben in Richtung HNO2 (Salpetrige
Säure). HNO2 kann als Molekül ungehindert in den Fisch diffundieren.
Bei NO2- braucht es "Hilfe" durch den Fisch. Während man die Gefahr
durch NO2- mit einer Erhöhung des Chloridgehaltes im Wasser reduzieren
kann, hilft bei HNO2 eigentlich nix mehr außer pH-Wert anheben und flink
Wasserwechseln, bis der Eimer dampft.
Die Grenzwerte werden in der eigentlichen Fachliteratur daher nicht am Nitrit,
sondern an der Konzentration für HNO2 festgemacht. Der
Grenzwert (Höchstzulässige Konzentration) für Karpfen liegt z.B. bei 0,0004
mg/l. Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, welche
von den genannten Verbindungen der Fischkiller Nr.1 ist.
dieser Text wurde am 25.2.2001 von Lars Dettman in die Newsgroup gepostet (eine zusätzlich Infoquelle dazu gibt es bei Norbert Dörre unter dieser Seite)
Ferner sollte man auf die Gefahren von Schwermetallen,
insbesondere Kupfer hinweisen.
Kupfer ist bereits in Konzentrationen um 01, mg/L für wirbellose Tiere toxisch.