Wasser


Autor: Hanns-J.Krause
Titel: Handbuch Aquarienwasser
Diagnose, Therapie, Aufbereitung
Verlag:Bede
ISBN: 3927997005
 
Dieses Buch hinterläßt bei mir zwiespältige Gefühle: einerseits erklärt es gut die chemischen Aspekte des Wassers, andererseits ist einiges falsch.

Wasseranalytik

So behauptet Krause in Kapitel A2, dass die Salzzusammensetzung des Süßwassers prozentual gesehen gleich ist, was durch die Wasseranalysen allein unserer zwei Wasser-Reservoirs Ruhr und Ennepe widerlegt wird! (Quelle:AVU 1999) Der Rest des Kapitels ist ok.

Kapitel B bespricht die Wasseranalytik, allerdings kann ich Krause nicht ganz folgen, dass verdünnte Reagenzien schneller verderben und Mikro-Tests deshalb schlechter sind als Tests im Halbmikro-Maßstab. Zum zweiten fehlt der Hinweis, dass ein (gut abtropfender Wasser-)Tropfen ca. 50µl sind, Oberflächenspannung und Schwerkraft machen es möglich.
Der Rest des Kapitels ist ok und gibt wichtige Hinweise, wie die Wassertests anzuwenden sind.

Diagnose und Therapie

ist ein ausführliches Kapitel über die chemischen Verbindungen, die im Wasser vorkommen, Krause zeigt deren Bedeutung für das Leben im Aquarium auf und gibt wertvolle Tips zu deren Bestimmung und Herstellen von Prüflösungen/Eichlösungen.
Er bespricht Ammonium/Ammoniak, Nitrit, Nitrat, Phosphat, Sulfat, Clorid, Chlor, Eisen, Mangan, Calcium, Natrium, Sauerstoff, Ozon und Kohlendioxid. Er erklärt Leitfähigkeit, Redoxspannung, den pH, KH und GH und gibt Tabellen zur Bestimmung von Kohlendioxid aus KH und pH.
Anzumerken ist allerdings:
  • H.J.Krause ist zu optimistisch, was Chlorzusätze im Trinkwasser angeht! Abwarten und Tee trinken ist hier z.B. nicht drin! Ich vermisse zur Chlorentfernung das Ausgasen des Chlors mittels Belüftung, was ich hier schon seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziere, um mit dem Chlorgehalt von 0.2 - 0.25 mg/l (Quelle: AVU Wasseranalyse 1999) fertigzuwerden.

  • Bei dem Einfluß des Sauerstoffs auf die Oxidation von 2-wertigem Eisen fasst er sich kurz, zu Recht. Anwesenheit von für Aquarianer Minimalmengen an Sauerstoff allein reicht da nämlich schon (Nernst-Gleichung). Dies zeigt auch seine Grafik im Kapitel zu Sauerstoff.

  • Bei dem Einfluß des Sauerstoffs auf Pflanzen und Fische komme ich zu einem anderen Ergebnis: Unter 3 mg/l hängen Fische (Xiphophorus helleri) und Schnecken (Turmdeckel- und Spitzschlammschnecken) an der Oberfläche, und ob der obere Wert nun bei 6 oder 8mg/l liegt, ist den Pflanzen egal. Mit der Empfehlung 3-6mg/l kann ich aber leben, obwohl ich 4-8 bevorzuge.
    In den Veröffentlichung in "Diskus Jahrbuch Topaquaristik 1998" zeigt er Vergleichs-Aquarien, an der Eisenabnahme sind aber wohl eher die (mit Sauerstoff aktiveren) Bakterien schuld und nicht der Sauerstoff an sich, wie man mit der Nernst-Gleichung schnell überprüfen kann.
    Zudem enthält das Vergleichs-Aquarium O2-Sättigung um die 250% (20mg/l), ich denke mal, er hat Frau Kasselmann da gründlich mißverstanden.

  • Nach Krause ist die KH nicht mehr die "verkochbare" Härte, sondern aufgrund des Analyseverfahrens eher das SBV (Säure-Bindungsvermögen), so rein theoretisch eigentlich pH-abhängig. Der von den hiesigen Wasserwerken bei pH>8 titrierte Wert dürfte in etwa der KH der ursprünglichen Definition CO2 und (Hydrogen-)Carbonat bei KH<GH entsprechen.
    Richtig erkennt Krause, dass das Gleichgewicht CO2/CaCO3 durch andere auftretende Ionen anders liegt als in reinem Wasser. Auch der Rest des Kapitels ist ok, denn in weiser Vorraussicht fängt die Tabelle zur Bestimmung des CO2 erst ab pH 6.4 an.
    Ich vermisse die Gleichung, die diese Tabelle ergeben hat.

  • Bei den Elektroden wäre anzumerken, dass, wenn sich die beschriebenen "Verschleißerscheinungen" zeigen, eine Generalreinigung des Diaphragmas (der Teil der Elektrode, der in die Messlösung eintaucht) die Elektrode wieder aufleben lassen kann. Die Mittel, z.B. Flußsäure, sind meist sehr agressiv, weshalb er wohl zu Recht nicht darauf eingeht. Die Elektrode selbst ist jedenfalls hinüber, wenn sie sich trotz Reinigung nicht mehr eichen lässt.


Wasseraufbereitung und Analysen tropischer Gewässer

Sollte das Wasser nicht zu den Fischen passen, zeigt Krause hier die gängigen Arten, das Wasser anzupassen, von Torffilterung angefangen über Ionenaustauscher und deren Regeneration bis hin zu den Umkehrosmoseanlagen. Dabei vergisst er auch die Kreuzregel nicht, ein wichtiges Werkzeug, um definierte Lösungen herzustellen.
Es folgt eine interessante Tabelle mit Wasserwerten einiger Heimatflüsse der Fische, ein Bezugsquellenverzeichnis runden das Buch ab.

Fazit

Ein durchaus empfehlenswertes Buch, die oben genannten Punkte richten keinen Schaden an, wenn man von der doch arg niedrigen Sauerstoff-Empfehlung absieht, die kaum Spielraum zuläßt für Bakterienblüten (z.B. Blaualgen) oder Ausrutscher mit der Futterdose.